150 Jahre berufliche Bildung für Frauen - Der Festakt
150 Jahre berufliche Bildung für Frauen: Vom „Darf ich?“ zum „Was kann ich?“
Wie haben sich die Bildungs- und Berufschancen von Frauen in 150 Jahren verändert? Und wo stehen wir heute?
Diesen Fragen widmete sich die Christiane Herzog Schule am 2. Oktober 2026 bei ihrem großen Jubiläum „150 Jahre berufliche Bildung für Frauen“. Dabei wurde schnell deutlich: Gefeiert wurde nicht nur die Geschichte einer Schule, sondern auch ein bedeutendes Stück Frauen und Bildungsgeschichte.
Schulleiter Jochen Böhmerle führte die Gäste durch die verschiedenen Epochen und machte den Wandel auf besondere Weise sichtbar. Im Verlauf des Programms wechselte er passend zur jeweiligen Zeit seine Kleidung. So entstand eine Reise von den Anfängen der beruflichen Frauenbildung bis in die Gegenwart.
Einen besonderen Blick zurück eröffnete der ehemalige Schulleiter Klaus Ulbrich, der auch im Vorfeld das Jubiläum maßgeblich mitgeplant hat. Unterstützt von zwei Schülerinnen aus der Klasse 2BK1EH2/2, Lana Rehm und Franziska Seyfferle, die Auszüge aus historischen Tagebüchern vortrugen, ließ er die Vergangenheit lebendig werden. Die Tagebucheinträge machten eindrücklich deutlich, unter welchen gesellschaftlichen Bedingungen Mädchen und Frauen früher lebten und welche Bedeutung der Zugang zu Bildung für sie hatte.
Was vor 150 Jahren keineswegs selbstverständlich war, prägt die Christiane Herzog Schule heute ganz selbstverständlich: Rund 1.200 Schülerinnen und Schüler besuchen die Schule, etwa 70 Prozent davon sind Frauen.
Staatssekretär Andreas Deuschle und Landrat Norbert Heuser würdigten in ihren Grußworten die Entwicklung der Schule und die Bedeutung beruflicher Bildung.
Doch das Jubiläum sollte nicht nur zurückblicken. Besonders eindrucksvoll schlugen die Schülerinnen und Schüler selbst die Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Die Literatur und Theaterkurse der Jahrgangsstufen 1 und 2, unter der Leitung von Leena-Tamarra Bolay setzten sich szenisch mit „Frauen in der Bildung heute und vor 150 Jahren“ auseinander. Dzheyda Salieva aus der Jahrgangsstufe 2 des Biotechnologischen Gymnasiums ergänzte die Inszenierung mit einem selbst verfassten Text. Ihre Botschaft brachte den Wandel von 150 Jahren Frauenbildung besonders treffend auf den Punkt: Junge Frauen müssen heute nicht mehr nur fragen „Darf ich?“. Sie können fragen: „Was weiß ich? Was kann ich daraus machen? Und wie weit kann ich mit meinem Wissen gehen?“ Und dennoch endete die Inszenierung bewusst mit einer Frage: „Wir sind alle gleichberechtigt, oder?“
Damit wurde aus dem historischen Rückblick zugleich ein Auftrag für die Gegenwart. Denn 150 Jahre Frauenbildung erzählen von großen Fortschritten, aber sie erinnern auch daran, dass gleiche Bildungs- und Lebenschancen immer wieder neu gestaltet und gesichert werden müssen. Passend dazu setzten Schülerinnen und Schüler aus der Sozialpädagogik mit ihrer Lehrerin Gabi Ostertag-Weller mit dem Lied „Wenn nicht jetzt, wann dann?“ einen musikalischen Akzent.
Einen besonders beeindruckenden Abschluss des Festprogramms gestaltete Mina Bayhan am Klavier. Während der Coronazeit hatte sie sich das Klavierspielen selbstständig beigebracht. Beim Jubiläum präsentierte sie ein Werk von Chopin und zeigte damit auf ganz persönliche Weise, wohin Neugier, Eigeninitiative und die Entfaltung der eigenen Fähigkeiten führen können.
Der Blick richtete sich an diesem Tag aber auch in die Zukunft. Digitalisierung und KI, Nachhaltigkeit, Demokratiebildung, interkulturelle Kompetenz sowie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf werden die Bildungswege kommender Generationen mitbestimmen. Schulleiter Jochen Böhmerle brachte den Anspruch für diese Zukunft auf den Punkt: Bildung soll „Türöffner für ein zufriedenes, selbstbestimmtes und selbstbewusstes Leben“ sein. 150 Jahre berufliche Bildung für Frauen zeigen, wie viel sich verändert hat und wie wichtig es bleibt, jungen Menschen die Freiheit und die Möglichkeiten zu geben, ihre Fähigkeiten zu entdecken, Wissen zu erwerben und ihren eigenen Weg zu gehen.
Nach dem Festakt öffnete die Christiane Herzog Schule schließlich ihre Türen für die Gäste. Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte hatten gemeinsam 25 Stationen vorbereitet, die Geschichte, Gegenwart und Zukunft der Schule auf vielfältige Weise erlebbar machten. Historisches konnte entdeckt, Aktuelles kennengelernt und vieles selbst ausprobiert werden. Diese Beiträge werden in einem nächsten Artikel vorgestllt.
So endete das Jubiläum nicht mit dem letzten Wort auf der Bühne, sondern mitten im lebendigen Schulleben: mit Begegnungen, Gesprächen, Entdeckungen und einer Schulgemeinschaft, die gemeinsam zeigte, was 150 Jahre berufliche Bildung für Frauen heute bedeuten.
Mit der Festschrift, die für die Besucherinnen und Besucher auslag, gibt es die Möglichkeit, alle Details noch mal zu Hause nachzulesen.
Die Heilbronner Stimme und das Kultusministerium berichteten über unser Jubiläum.



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